Paradigmenwechsel in der Alzheimerforschung?

 

Im Januar 2015 hat aus Anlass des 50. Geburtstages des bei der Alzheimer-Krankheit eingesetzten Ginkgo Spezialextrates (EGb 761 / Tebonin®) die Hirnliga e.V. in Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt und dem Hersteller des Ginkgo-Medikamentes ein mit international renommierten Experten besetztes Symposium veranstaltet.

 

Mit Frankfurt am Main verbinden die Alzheimer-Forscher weltweit den Beginn der Alzheimerforschung, denn hier beginnt am 25.November 1901 die folgenschwere Befragung der Patientin Auguste D. in der Anstalt für Irre und Epileptische durch Alois Alzheimer. Mit Ihrem Tod am 8. April 1906 beginnt die Erforschung ihrer sonderbaren Erkrankung. ->mehr über Alois Alzheimer

 

Im August 2011 hat die Hirnliga e.V. in Kooperation mit der Goethe-Universität Frankfurt am Main ein vielbeachtetes Symposium veranstaltet. 26 international renommierte Experten aus 8 Ländern haben neue Aspekte der Alzheimer-Krankheit im kleinen Kreis diskutiert. Der Lipidstoffwechsel, die Neurogenese, die Zell-Zell-Kommunikation und die zelluläre Energiegewinnung wurden in den Blick genommen. Im Fokus standen neue Therapieansätze jenseits der Beta-Amyloid-Kaskaden-Hypothese. -> das Programm der Veranstaltung

 

Vor diesem Hintergrund eröffnete der Vize-Präsident der Goethe-Universität Prof. Manfred Schubert-Zsilavec im geschichtsträchtigen Eisenhower-Saal des IG Farben Gebäudes der Universtiät. das vom Vorsitzenden der Hirnliga Prof. Hans-Jürgen Möller geleitete Symposium:

 

50 Jahre Tebonin – Blick nach vorn -> das Symposium-Programm

 

 

Viele Behandlungsansätze gescheitert

 

Bislang galt vielen Forschern die krankheitstypische vermehrte Ansammlung eines spezifischen Eiweißes, dem sogenannten Beta-Amyloid, als die Ursache der Alzheimer-Erkrankung.
Allerdings scheiterten auf dieser Theorie basierende Behandlungsansätze, wie etwa die Impfung, bei ihrer klinischen Erprobung. Auch wenn die Eiweißablagerungen verhindert oder wieder aufgelöst werden können, bestehen die klinischen Symptome einer Demenz fort.

 

Die auf dem Symposium vorgestellten bislang vorliegenden experimentellen und klinischen Daten werfen die Frage auf: Brauchen wir einen Paradigmenwechsel in der Alzheimer-Forschung?

Eines ist inzwischen klar geworden: Für die Alzheimer-Krankheit sind die krankheitstypischen Eiweißablagerungen im Gehirn nicht die alleinige Ursache. Tatsächlich ist die Krankheitsursache noch unbekannt.
Stoffwechselstörungen, Störungen in der Energieversorgung der Nervenzellen des Gehirns, in der Synaptogenese (Fähigkeit zur Neuverknüpfung von Nervenzellen, d.h. neuronale Plastizität) und in der Kommunikation zwischen den zentralen Nervenzellen (Neurotransmission) sind zumindest krankheitsrelevante Faktoren.

 

„Alle uns vorliegenden Daten zeigen, dass die Alzheimer-Forschung sich von der Beta-Amyloid-Theorie als alleiniger Ursache der Erkrankung verabschieden muss“, so Prof. Walter E. Müller, Pharmakologisches Institut für Naturwissenschaftler der Frankfurter Goethe-Universität und Vizepräsident der Vereinigung der Deutschen Alzheimerforscher, Hirnliga e.V.

 

 

Von der Mangeldurchblutung zum beta-Amyloid

 

Die Erklärungen für die Alzheimer-Krankheit und die darauf aufbauenden Therapieansätze begannen vor mehreren Jahrzehnten mit dem Konzept Mangeldurchblutung und Mangelernährung des Gehirns. Dann folgte als Leitidee der Forschung die Modulation der Neurotransmission (Störungen in der Konzentration der Botenstoffe im Gehirn sollten ausgeglichen werden), erst danach fokussierten Konzepte auf die Bekämpfung von Eiweißablagerungen (sogenannte Tau-Proteinaggregate und Amyloid). Für sie ist bei Gesamtbetrachtung der verfügbaren Informationen unklar, ob diese ursächlich für die zelluläre Degeneration sind oder erst in Folge von Zellschädigungen und Zelluntergängen entstehen.

Auch der Zusammenbruch der zellulären Calcium- Homöostase in den Nervenzellen (die Calcium-Ionen Konzentration in den Nervenzellen darf nur in engen Grenzen schwanken, wenn die Zellen gesund bleiben sollen, die Calcium-Ionen spielen bei Lern- und Gedächtnisprozessen eine wichtige Rolle), soll zur Pathogenese der Alzheimer-Krankheit beitragen. Ein Therapiekonzept versucht über die Modulation der entsprechenden Rezeptoren der Zellmembran das Gleichgewicht wiederherzustellen, indem der überschießende Einstrom von Calcium in die Zelle gehemmt wird, beispielsweise durch Hemmung des NMDA Rezeptors.
Ebenso bei medikamentöser Intervention mit Entzündungshemmern wird mit der Unterdrückung neuroinflammatorischer Prozesse ein bekannter Pathomechanismus der Alzheimer-Krankheit als Therapieansatz gewählt, von dem allerdings unbekannt ist, an welcher Stelle der Krankheitsentwicklung dieser Schritt steht.

 

Nervenzellen gesund altern lassen

 

Zurzeit gilt das Konzept des oxidativen Stresses als sehr früher und zentraler Schritt in der Entstehung der Alzheimer–Krankheit als besonders aussichtsreich, um die Pathogenese zu erklären und entsprechende medikamentöse, therapeutische und präventive Strategien abzuleiten. Durch Schädigungen und Alterung der Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen) kommt es zur vermehrten Bildung reaktiver Sauerstoffspezies, die die Zellorganellen schädigen, wenn die intrazelluläre Pufferkapazität überschritten wird. Neue Therapiestrategien zielen daher auf eine Minimierung oxidativer Einflüsse.

 

Das Gehirn mit seinen rund 100 Milliarden-Nervenzellen kann sehr lange die Minderfunktion und den Ausfall einzelner Nervenzellen ausgleichen. Deshalb ist es schwierig die Grenze zwischen einer normalen Alterung und einem krankhaften Prozess zu benennen. Inzwischen gehen die Forscher davon aus, dass die Erkrankung schon viel früher - nämlich im mittleren Lebensalter - beginnt. Eine Intervention zu diesem Zeitpunkt könnte den Ausbruch der klinischen Symptome der Alzheimer-Krankheit im späteren Alter verhindern oder über Jahre hinausschieben.

 

„Viele aktuelle Forschungsergebnisse deuten daraufhin, dass eine mangelnde Energieversorgung der Nervenzellen einen großen, wenn nicht sogar den entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung und den Verlauf der Krankheit hat“, so Prof. Müller weiter. “Wenn es uns gelingt, die Mitochondrien vor bestimmten giftigen Stoffwechselprodukten längerfristig zu schützen und damit die Energieversorgung der Nervenzellen aufrechtzuerhalten, werden wir wahrscheinlich einen großen Schritt im Kampf gegen die Alzheimer-Krankheit getan haben."

 

Müller und seine Mitarbeiter konnten an Mitochondrien und isolierten Nervenzellen im Labor nachweisen, dass der Ginkgo-Spezialextrakt vor Giften schützt und das Wachstum von Zellen fördert. Diese Ergebnisse schlagen eine Brücke von den modernen Vorstellungen zur Entstehung der Alzheimer-Krankheit zum Einsatz von Ginkgo Spezialextrakt bei Interventionsstrategien gegen die Alzheimer-Krankheit.

Das neue Paradigma in der Alzheimerforschung könnte lauten:

Solange die Nervenzellen gesund altern, treten keine klinischen Symptome der Alzheimer-Krankheit auf.

 


Die Ergebisse des Symposiums wurden am gleichen Tag der Öffentlichkeit vorgestellt:

 

 

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