Forschungsförderung 2007

Donix, Markus

Klinik und Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Uniklinikum Carl Gustav Carus, Dresden


Kurzbeschreibung

Neuronale Repräsentation und klinische Bedeutung von vertrauten Gesichtern und Orten (familiarity) bei Patienten mit Demenz vom Alzheimertyp (DAT) und leichter kognitiver Einbuße (MCI).

Es gibt zahlreiche Untersuchungen, die die positiven Effekte von Gedächtnis-Trainingsprogrammen bei gesunden älteren Personen hervorheben. Dass Patienten mit bereits bestehender Gedächtnisstörung oder einer Demenzerkrankung ebenfalls von einem solchen Training profitieren können, wurde mehrfach nachgewiesen. Entsprechend an das Leistungsniveau angepasste Verfahren nutzen gezielt erhaltene kognitive Ressourcen, wie beispielsweise die von den Patienten erlebte Vertrautheit von Personen, Orten oder Gegenständen. Es besteht ebenfalls ein wissenschaftlicher Konsens, dass Patienten mit einer Demenzerkrankung, beispielsweise der Demenz vom Alzheimertyp, möglichst lange in einem ihnen vertrauten Umfeld verweilen sollen, da vertraute Menschen und Orte zur Alltagsstabilisierung beitragen können.

Obwohl demnach das Prinzip der Vertrautheit bereits eine wichtige Größe im Umgang mit demenzerkrankten Patienten ist, fehlen ausreichende Untersuchungen zum Erleben von Vertrautheit bei verschiedenen Schweregraden der Gedächtnisbeeinträchtigung.
Weiterhin ist bekannt, dass Hirnstrukturen, die für das Erkennen vertrauter Gesichter und Orte notwendig sind, zu den Strukturen gehören, die im Rahmen der Demenz vom Alzheimertyp, frühzeitig von pathologischen Prozessen betroffen sind.


Mittels einer speziellen Untersuchungstechnik, der funktionellen Magnet-Resonanztomografie, kann die Aktivität einzelner Gehirnbereiche sichtbar gemacht werden, während der Patient gebeten wird, eine bestimmte Aufgabe auszuführen, wie beispielsweise sich Fotos vertrauter Orte (in der vorliegenden Studie Bilder der eigenen Wohnung) oder Personen (nahe Verwandte) zu betrachten. Wir möchten eine gesunde ältere Kontrollgruppe sowie zwei Patientengruppen untersuchen, die an Gedächtnisstörungen leiden: Patienten im Frühstadium der Demenz vom Alzheimertyp und Patienten mit einer leichten kognitiven Einbuße (mild cognitive impairment), einer möglichen Vorstufe der Demenz vom Alzheimertyp.
Es soll verglichen werden, welche Hirnregionen spezifisch von vertrauten Bildern aktiviert werden und wie diese sich von unbekannten Bildern unterscheiden. Wir erwarten, dass die Unterschiede zwischen gesunden Probanden und den Patientengruppen einen Einblick in kompensatorische neuronale Netzwerke geben werden.


Es ist zu erwarten, dass die Ergebnisse dieser Grundlagenforschung langfristig zur Differenzierung bestehender Möglichkeiten des Hirnleistungstrainings in Abhängigkeit von einem definierten kognitiven Leistungsprofil beitragen können, die gezielt das Prinzip der Vertrautheit nutzen und in einer Gedächtnis-Sprechstunde oder ambulanten ärztlichen Betreuung vermittelt werden können.


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